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#1 |
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Super-Moderator
Registriert seit: 30.10.2007
Beiträge: 7
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Die CDU und die FDP haben im Kulturausschuss gegen den Verbleib der Skulpturen von Silke Wagner und Martha Rosler gestimmt. Damit darf die Verwaltung nicht mehr prüfen, ob und wie diese beiden in der nationalen und internationalen Presse viel gelobten Arbeiten der "Skulptur-Projekte 2007" in der Stadt verbleiben können. Die Arbeit über Paul Wulf und der Ex-Naziadler vor den Münster-Arkaden waren pikanterweise die einzigen politischen Kunstwerke auf der Liste. Was sagen Sie zu dieser Entscheidung?
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#2 |
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Forums-Neuling
Registriert seit: 31.10.2007
Beiträge: 12
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Der Persönlichkeitsschutz von Paul Wulf ist doch nur vorgeschoben. Und wegen des Adlers hat bestimmt die Wirtschaft Druck gemacht.
Die CDU will Kunst nur als Dekoration fürs Wohnzimmer oder eingesperrt ins Museum. Das ist typisch: Nur keine Aufregung, nur nichts Kontroverses. Bei den Skulptur-Projekten 1977 und 1987 wurde fairerweise noch vorher und während der Ausstellung diskutiert. Jetzt wird nachgetreten . . . ![]() |
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#3 |
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Schreibt sich ordentlich was zusammen
Registriert seit: 29.10.2007
Beiträge: 146
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Kunst, die sich CDU und FDP für Münster vorstellen können, darf anscheinend nicht unbequem sein, darf keine kritischen Fragen nach der Vergangenheit aufwerfen. Schade - diese beiden politischen Kunstwerke hätten der Stadt des Westfälischen Friedens und auch der "lebenswertesten Stadt" gut zu Gesicht gestanden!
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#4 |
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Neuer Benutzer
Registriert seit: 08.11.2007
Beiträge: 1
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Edo Schmidt, M.A.
Kettelerstraße 44 48147 Münster Münster, 8. November 2007 Sehr geehrte Damen und Herren, zunächst einmal möchte ich mich für den guten Artikel auf ihrer Homepage bedanken. Ich halte die CDU/FDP-Entscheidungen im Kulturausschuss des Rates der Stadt Münster für einen Skandal ersten Ranges, aber dennoch leider typisch für diese konservative Provinzhauptstadt. Der nicht zu verzeihende Fehler der in Münster regierenden konservativ-"liberalen" Koalitionsvertreter/innen besteht darin, eine ernst gemeinte Aufarbeitung der Vergangenheit an diesem nur scheinbar friedvollen Ort verhindern zu wollen. Und dennoch erinnert dieser Vorgang daran, dass es in Münster nach 1945 mehrere nicht zu unterschätzende und ebensowenig zu unterschlagende Kontinuitäten aus dem NS-Faschismus gab. Ein Beispiel: Hier gründete der Doktorvater des im KZ von Auschwitz an dortigen Insassen "forschenden" und mordenden Josef Mengele, nämlich Otmar Freiherr von Verschuer, das Humangenetische Institut, um seine "Arbeit" fortzusetzen, die er während der NS-Zeit als Leiter des Instituts für Erbbiologie und Rassenhygiene an der Universität Frankfurt verrichtete. Er war voll in die "Rassenhygiene" der Nazis eingebunden und ließ sich von seinem Promovenden aus dem KZ "Lebendmaterial" schicken. Ferner schrieb er Gutachten, die vielfach zu Zwangssterilisierungen führten, einer gängigen Praxis der Nazi-Mediziner, die ja leider auch Paul Wulf traf. Paul erinnerte sich daran, während seiner Zwangssterilisierung im "Volksempfänger" genannten Radio die "Jubelrufe" aus Wien anlässlich des dortigen Einmarsches der Wehrmacht erdulden zu müssen - ein traumatisches Erlebnis. Auch die Unterschlagung dieser Zusammenhänge ist mit der keineswegs unüberlegten Abwahl der Skulptur von Silke Wagner gemeint. Und dennoch symbolisiert m.E. der Reichsadler mit dem "wegretuschierten" Hakenkreuz, der im Original am Hohenzollernring an der Manfred-von-Richthofen-Kaserne zu bestaunen ist, am besten die Szene: In Münster, inmitten der westfälisch-erzkatholischen Provinz, konnte nach 1945 sehr viel Nazi-Personal seine Karriere ungebrochen fortsetzen, so u.a. an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät jener Universität, die schändlicher Weise immer noch nach dem für seinen Antisemitismus bekannten Kaiser Wilhelm II benannt ist. Auch in den lokal ansässigen, neu geschaffenen Gliederungen der Bundeswehr waren viele Wehrmachtsoffiziere und auch einige SS-Angehörige zu finden. Eine eingehendere Auseinandersetzung ist den Damen und Herren von der CDU und FDP wohl nicht besonders angenehm, da sich dieses "Personal" - wie Martha Roslers Reichsadler - in der Mitte der Gesellschaft befindet. Dies zeigt alleine schon, wie die Abwahl geschah: In einer Nacht-und-Nebel-Aktion. Aber es gibt wache Menschen in Münster, die nun reagieren werden. Sie müssen es tun! Mit besten Empfehlungen, Edo Schmidt |
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#5 |
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Neuer Benutzer
Registriert seit: 29.10.2007
Beiträge: 3
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Die Wulf-Skulptur hat in meinen Augen den größten pädagogischen Wert. Ich habe die Skulpturen-Ausstellung mit meinen Kindern besucht, bei Wulf mussten wir uns am längsten aufhalten. Und es kamen die meisten Fragen. Was Verfolgung bedeutet, wird hier an einem Menschenschicksal sehr einfach deutlich gemacht. Das ist vielleicht keine große Kunst, es scheint aber doch ein Stachel in diesem gemütlichen verdrängenden Münster zu sein. Schade, wenn Wulf nicht wieder kommt.
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#6 |
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Neuer Benutzer
Registriert seit: 09.11.2007
Beiträge: 1
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Zum Skulptur-Skandal in Münster: Wozu braucht es eigentlich eine Kunstkommission in dieser Stadt?
Als Mitglied der Kunstkommission der Stadt Münster fühle ich mich von der Entscheidung der Koalition aus CDU/FDP im Kulturausschuss vor den Kopf gestoßen. Wenn ein mehrheitlich getroffenes Votum des eingesetzten Fachgremiums für den Verbleib der beiden Skulpturen Rosler/Wagnerin Münster keinen Einfluss auf die Entscheidungen in dieser Stadt hat, worin liegt dann der Sinn einer solchen Kommission? Was sollte das ganze hinhaltende und verzögernde Spektakel, wenn das Urteil sowieso nicht ernst genommen und letztlich ganz willkürlich entschieden wird? Die Entscheidung des Kulturausschusses gegen die beiden Skulpturen von Martha Rosler und Silke Wagner ist leider nicht von Sach- und Fachkenntnis geprägt sondern eher politisch und ideologisch begründet. (Viehoff/FDP: "Das sind provokative Plastiken. Deswegen möchte ich sie nicht erhalten.") Die regierende Koalition akzeptiert offenbar keine kritische Kunst in dieser "sauberen" Stadt. Sie möchte keine Skulpturen in Münster belassen, die Vergangenheit reflektieren und dabei ganz im Sinne von Kunst im Öffentlichen Raum auch unangenehm intervenieren. Immer wieder haben - laut Landesmuseumsdirektor Arnold - internationale Kunstbesucher die Fähigkeit zur gelassenen Selbstkritik der Deutschen gerade an einer Skulptur wie dem Adler an den Münster-Arkaden bewundernd festgestellt. Diese Art von Vergangenheitsbewältigung fand international große Anerkennung und ist wichtig gerade in einer Zeit, wo es wieder viele "braungetönte Versprecher" gibt. Kaum aber haben die Skulpturbesucher Münster, die weltweit anerkannte Stadt der Skulpturen, verlassen, so zeigt sich ein provinzieller Münsteraner Kleingeist mit aller Macht. Genau diese rückwärts gewandte ablehnende Haltung gegenüber zeitgenössischer Kunst war 1977 ein Grund mit gewesen, die SkulpturProjekte in dieser Stadt auszurichten. Offenbar hat es in einigen Köpfen immer noch nichts bewirkt. Das nun Mitglieder der Koalition hingehen und nach den SkulpturProjekten auch noch eine künstlerische Bewertung aus ihrer politischen Sicht vornehmen, ist eine Zumutung. Bei der Paul-Wulf-Skulptur "werde mit einer Persönlichkeit gespielt" und sogar "Paul Wulf würde sich im Grabe umdrehen". Drei Monate lang - während der Ausstellung - hat man also den Mund gehalten, um jetzt anschließend mit waghalsigen Einschätzungen die künstlerische Arbeit von Silke Wagner zu diskreditieren. Welche Vermessenheit spricht hier aus dem Munde eines Herrn Socha. Sollte er das nicht lieber Fachleuten überlassen, die mehr davon verstehen? Auch einer der international renommiertesten Künstlerinnen, Martha Rosler, wird nun offenbar unterstellt, sie könne nicht selbst entscheiden, ob ihre Skulptur auch einzeln im Öffentlichen Raum bestehen könne. Wer hier also "mit Persönlichkeiten spielt" ist nun klar gestellt. Der Umgang mit hochrangiger internationaler Kunst und ihren Macherinnen ist in Münster - nach den SkulpturProjekten - schlichtweg ein Skandal. Eine Entscheidung vorbei an der Kunstkommission und auch an der Bürgerschaft: die Paul-Wulf-Skulptur ist nach einer Leser-Umfrage der Westfälischen Nachrichten immer noch die zweitbeliebteste Skulptur der Ausstellung. (Viehoff/FDP: "Paul Wulf hatte seine Öffentlichkeit während der SkulpturProjekte.") Dass die Damen und Herren von CDU/FDP mit ihrer rückwärts gewandten Entscheidung genau das Gegenteil einer Münsteraner Fassaden-Rein-Haltung erreichen werden, nämlich eine internationale Beschädigung des Ansehens Münsters, wird sich leider noch zeigen. Jürgen Lemke, Mitglied der Kunstkommission der Stadt Münster |
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#7 |
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Neuer Benutzer
Registriert seit: 10.11.2007
Beiträge: 4
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ja, so geht das nicht. nein, so geht das.
warum das im kulturausschuß / ss so geht, in meinem nächsten beitrag. |
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#8 |
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Neuer Benutzer
Registriert seit: 10.11.2007
Beiträge: 4
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ja, das geht so, weil der kulturausschuß erst nach ende der ausstellung zugeflüstert bekam, daß da durchaus eine ganz konkrete kritik in der kunst ausgespielt war. der adler ohne hakenkreuz ist eben nicht die verschönerung der arkadenfassade, sondern im gegenteil ihre entstellung zur kenntlichkeit. herrschaftssymbole und herrschaftsarchitektur, früher blanke herrschaft, heute konsumtempelherrschaft. fassaden der lebensvernutzung, menschen in den klauen der machthaber, der kapitalinhaber. - weiter darauf hindeuten sollte man nicht, meint nicht nur der interessierte anteileigner, die inhabergesellschaft, der kulturausschuß. kultur leistet sich die herrschaft, als luxus. nix demokratie und publikumsvotum.
skulptur-projekte-in-bild-und-text.de rainer kühn | lektoratsbüro, münster Geändert von rainerkuehn (10.11.2007 um 21:34 Uhr). |
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#9 |
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Schaut ab und an hier rein
Registriert seit: 29.10.2007
Beiträge: 30
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Mal abgesehen von der politischen Wahrnehmung: Silke Wagners Skulptur passt doch architektonisch perfekt. Der Kettlersche Hof bedient sich ebenfalls der speerschen Klotzig- und Klobigkeit. Optisch scheint auch der Musikhallenentwurf sich in diese Art der Architektur einzureihen.
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#10 |
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Neuer Benutzer
Registriert seit: 15.11.2007
Beiträge: 1
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Unter dieser Überschrift luden die WN in der gestrigen Ausgabe die Leser ein ihre Meinung mitzuteilen.
Dass erinnerte mich, dass ich doch ziemlich überrracht war von der Entscheidung des Kulturausschusses, die Arbeiten von Martha Rossler und Silke Wagner nicht in Münster zu belassen. Überrascht weil ich bis dahin gedacht hatte, dass die in den künstlerischen Arbeiten thematisierte Vergangenheit nicht so aktuell mehr ist. Über Kunst kann man streiten ohne Ende, aber sie aus unserer Stadt zu verbannen weil sie unangenehm und unbequem an Vergangenes erinnert - das darf nicht sein. Diese so stolze Stadt darf ruhig den Mut aufbringen auch gerade an die eigenen sehr schlimmen Zeiten und Ereignisse zu erinnern. Ich wünsche mir dass die Empörung über diese Art von künstlerischer Zensur wächst und die beiden Objekte den ihnen angemessenen Platz in Münsters öffentlichem Stadtbild erhalten. |
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